venusbooks

Über Chancen im eBook-Markt, die Zugkraft erotischer Unterhaltung und den Wunsch, die Sonne zu sehen: Ein Gespräch mit Beate Kuckertz und Timothy Sonderhüsken, Verlegerin und Programmleiter der eBook-Verlage dotbooks und venusbooks.

Beate Kuckertz, Ihr Resümee nach den ersten 36 Monaten als Verlegerin des eBook-Verlags dotbooks?

Beate Kuckertz: „Als ich dotbooks im Februar 2012 gegründet habe, wurde ich von vielen in der Buchbranche belächelt: Einem unabhängigen eBook-Verlag traute man wenig zu. Bereits 18 Monate später konnte dotbooks den Break-even feiern und hatte im Buchhandel und bei Lesern einen sehr guten Ruf erworben. Pünktlich zum dritten Geburtstag von dotbooks steht fest: Ein unabhängiger eBook-Verlag kann erfolgreich sein!“

dotbooks zeichnet sich durch ein umfangreiches Programm aus. Viele Taschenbuchverlage konzentrieren sich auf 10 bis 20 Neuerscheinungen im Monat – bei dotbooks sind es bis zu 40. Müssen es so viele sein?

Timothy Sonderhüsken: „Diese Frage stellt sich aus verschiedenen Gründen nicht. Als wir vor drei Jahren mit dotbooks angefangen haben, gab es einen Riesenberg ungenutzter Buchrechte, die bei Agenturen und Autoren schlummerten. Wir konnten uns einen großen Teil davon sichern – und können es zum Glück immer noch – und sind daher in der Verantwortung, die Bücher so schnell wie möglich lieferbar zu machen.
Gleichzeitig haben wir gelernt, dass der eBook-Markt anders funktioniert als der für gedruckte Bücher: Die einzelnen Handelsplattformen wollen noch individueller von uns mit Stoffen und exklusiven Angeboten bedient werden. Auch dafür bedarf es einer entsprechenden Vielfalt.
Und schließlich ist da natürlich der Leser. Dem ist es eigentlich egal, ob dotbooks ein eBook pro Monat herausbringt oder einhundert – ihn interessiert das eine eBook, das ihm über einen Händler oder einen der vielen Kommunikationswege angeboten wird. Wenn er dann Feuer gefangen hat, will er gleich weiterlesen und nicht lange auf den Erscheinungstermin einer Fortsetzung warten. Und darauf reagieren wir entsprechend.“

Sie sehen sich also als Dienstleister für Buchhandel und Leser?

Beate Kuckertz: „Nichts anderes macht Sinn. Verlage können sich die schönsten Konzepte überlegen – der Buchhandel entscheidet, ob diese in ihren Läden oder auf ihren Verkaufsplattformen sichtbar werden. Und der Leser, welches Cover, welcher Werbetext und welcher Inhalt ihn dann am meisten anspricht.“

Waren es also Händler und Leser, die von Ihnen verlangt haben, dass Sie nun mit venusbooks einen neuen Verlag starten?

Beate Kuckertz: „In gewisser Weise ja. venusbooks ist ein Verlag, der sich auf erotische Unterhaltung spezialisiert. Die ist gerade im eBook-Markt sehr gefragt. Wir haben das Angebot anderer Verlage aufmerksam verfolgt, wir haben mit Buchhändlern, Agenten und Autoren gesprochen – und natürlich immer wieder mit Lesern. Deshalb bin ich sicher: Die Zeit ist reif für venusbooks, den erotischen eBook-Verlag.“

Bei dotbooks gibt es bereits ein kleines Erotiksegment – warum haben Sie das nicht weiter ausgebaut?

Beate Kuckertz: „dotbooks ist aufgestellt wie ein klassisches Taschenbuchprogramm – und ist somit ein Familienverlag. Hier halten sich Spannung und gefühlvolle Unterhaltung die Waage mit anderen Genres wie Fantasy, Jugendbuch und einem erotischen Programmanteil. Wenn wir die Erotik nun mehr in den Mittelpunkt rücken würden, müssten andere Genres weichen, und das macht für dotbooks keinen Sinn. Daher lag der Entschluss nahe, einen neuen Verlag zu gründen und dem breitgefächerten Genre den entsprechenden Raum zu geben. Wir werden im Februar 2015 mit 90 Büchern starten und dann pro Monat zwischen acht und zehn erotische eBooks veröffentlichen.“

Das ist ambitioniert.
Beate Kuckertz: „Erotische Unterhaltung ist ausgesprochen vielseitig: Bei venusbooks werden zarte, sinnliche Fantasien veröffentlicht, aber auch explizit erzählte Geschichten. Es wird außerdem moderne, erotisch aufgeladene Thriller geben, Klassiker der erotischen Unterhaltung und vieles andere. Natürlich experimentieren wir bei venusbooks auch mit Umfängen: vom 300-Seiten-Roman über Serien, bei der jede Episode 100 Seiten hat, bis zum ‚Lese-Quickie‘, der auf 30 bis 50 Seiten prickelnde Unterhaltung verspricht. Dies alles zu bedienen, ist eine Herausforderung, ja – aber eine, der sich venusbooks gerne stellt.“

Mit einem eigenen Personalstamm?

Beate Kuckertz: „In der Anfangsphase wird venusbooks personell von dotbooks betreut. Aber unsere Planung für die nächsten Jahre ist auf Wachstum ausgelegt, und das wird personelle Folgen haben.“

Ketzerisch gefragt: Können Lektoren, die bisher mit „normaler“ Belletristik gearbeitet haben, so einfach den Fokus ändern?
Timothy Sonderhüsken: „Wir ändern den Fokus nicht, wir erweitern ihn – und das mit einem hochprofessionellen, engagierten Lektorat, das noch dazu bereits Erfahrungen in diesem Genre hat. Natürlich kann und will bei uns nicht jede Kollegin jedes Erotikbuch betreuen, aber das gilt auch für Krimis, Jugendromane oder Komödien. Letztendlich kommt es darauf an, dass die Chemie zwischen Autor und Lektor stimmt und dass der entscheidende Funke eines Projekts überspringt – dann ist es egal, ob es in einem Thriller darum geht, dass ein Killer Jagd auf Mädchen macht, oder ein erotischer Roman davon erzählt, wie eine Frau sich für jeden Monat den richtigen Liebhaber sucht.“

Reihen Sie sich mit venusbooks nahtlos in die Reihe derjenigen ein, die Shades-of-Grey-Klone anbieten?

Beate Kuckertz: „Man soll niemals nie sagen – aber ich fand es schon immer spannender, etwas zu erfinden als zu kopieren. Natürlich werden wir Bücher veröffentlichen, die sich vor allem an romantisch veranlagte Leserinnen richten. Ich freue mich in diesem Zusammenhang schon auf unsere neue Autorin Mia Voss und ihren Roman ‚Männer sind wie Erdbeereis‘, den ich als ‚Kerstin Gier meets Fifty Shades‘ pitchen würde. Einen großen Programmanteil hat aber auch die Erotik, die sich an eine männliche Leserschaft richtet. Die funktioniert inhaltlich anders, ist deutlich expliziter und fokussiert weniger auf Empfindungen, sondern auf konkrete Handlungen.“

Haben Sie diese Zielgruppe nicht bereits an Websites wie Youporn verloren?

Timothy Sonderhüsken: „Wer einen Film schauen will, schaut einen Film. Wer ein Buch lesen will, liest ein Buch. Natürlich gibt es Abwanderungen hierhin und dorthin, aber ich sehe keinen Grund, von einem ‚entweder – oder‘ zu sprechen.“

Ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Zuversicht teile.
Timothy Sonderhüsken: „Vermutlich sind Sie damit nicht allein. Aber wenn man immer den Kopf in den Sand steckt, vergisst man, wie die Sonne aussieht. Das ist in der Buchbranche durchaus üblich – was aber nicht heißt, dass wir uns dem anschließen.“

Und wie halten Sie es bei venusbooks mit einem heiklen Thema im Bereich der erotischen Unterhaltung, nämlich dem Jugendschutz?

Beate Kuckertz: „Wir haben recherchiert, viele Gespräche mit Buchhändlern und natürlich auch unserem Rechtsbeistand geführt und dabei viel gelernt – darüber, was jugendgefährdend ist und was entwicklungshemmend, was man veröffentlichen darf und was nicht. Wir haben darüber diskutiert, ob wir uns programmatisch ausschließlich in ‚sicheren‘ Gewässern tummeln wollen – und uns dagegen entschieden: Wir wollen venusbooks bewusst breit aufstellen und Lesern verschiedenste Angebote machen – von zart bis hart, wenn Sie so wollen.

Natürlich sind wir uns dabei unserer Verantwortung sehr bewusst. Wir unterscheiden daher den Bereich der ‚erotischen Romane‘, in dem die Bestseller von Sandra Henke und Aimée Laurent neu aufgelegt werden, und den Bereich der ‚tabulosen Romane‘, wo wir Rahel Joyce oder Henry Rohan veröffentlichen. Diese Bücher weisen wir deutlich als Erwachsenenlektüre aus, die für Minderjährige nicht geeignet ist.“

Hat dies auch Auswirkungen auf die Covergestaltung?

Beate Kuckertz: „Es gibt verschiedene Ansätze, wie man erotische Unterhaltung verpacken kann – von Aktbildern, die alles unverhüllt zeigen, bis hin zu floralen Motiven. Wir haben entschieden, die venusbooks-Cover mit stilvollen erotischen Fotos auszustatten. Sie sollen viel andeuten und nicht alles zeigen. Dadurch machen sie neugierig auf mehr – und dieses ‚Mehr‘ bieten dann unsere Romane.“

Sie haben sich einiges vorgenommen für venusbooks.
Timothy Sonderhüsken: „Liebe, Zärtlichkeit und Sex sind große Themen im Leben jedes Menschen. Deswegen hat erotische Literatur und Unterhaltung immer schon eine große Anziehungskraft ausgeübt. venusbooks will das Genre endgültig vom Ruf der ‚Schmuddelbücher‘ befreien – und Leserinnen und Leser dazu verführen, sich unserem Verlagsmotto anzuschließen: Lesen ist sexy!“

Mit freundlicher Genehmigung durch dootbooks.de

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21. Januar 2015

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